Alle Artikel in der Kategorie “Allgemein

Mehr Zivilgesellschaft durch Social Media? Medienethische Perspektiven auf Twitter als Diskursmedium

Caja Thimm, Mark Dang-Anh & Jessica Einspänner

Im Beitrag wird die Frage erörtert, inwiefern sich der Microblogging- Dienst Twitter als Diskursmedium der Zivilgesellschaft eignet. Die spezifischen Produktions-, Distributions- und Rezeptionsbedingungen von Social Media sowie die ihrem Netzwerkcharakter inhärenten neuartigen Konstitutionsoptionen für öffentliche Diskursräume erfordern eine Justierung der medienethischen Perspektive. Doch auch klassische ethische Theorien machen Microblogs greifbar: Die Prämissen der Diskursethik nach Habermas differenzieren sich auch im Handlungsbereich Twitter in prädiskursiven Geltungsansprüchen aus, die von Diskursteilnehmern implizit erhoben werden. Setzt man diese – und hier setzt die notwendige Modifikation des Blickwinkels ein – in Beziehung zu den spezifischen Funktionen des Mediums Twitter, treten komplexe kommunikative Optionen zu Tage. Prüft man die Geltungsansprüche der
Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Richtigkeit auf empirische Fallbeispiele in Twitter, lassen sich Brüche von medienethischer Relevanz feststellen, die nicht nur die zivilgesellschaftliche, sondern auch die journalistische Nutzung des Mediums in ein neues Licht rücken.

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Joint Digital Storytelling on Twitter: Creative Appropriation in Political Deliberation

Caja Thimm, Jessica Einspänner & Mark Dang-Anh

This paper explores on the basis of empirical research, how patterns of interaction and argumentation in political discourse on Twitter evolve as translocal communities in the creative shape of “joint digital storytelling”. Joint storytelling embraces coordinated activities by multiple actors focusing on a shared topic. By adding personal information and evaluation, participants construct an open narrative format, which can be inviting and inspiring for others, who then join in with their own narratives. This model will be exemplified by analyzing a large amount of tweets (107,000) collected during a political conflict between proponents and adversaries of a local traffic project in Germany. Analysis is based on (1) the textual level, (2) the operative level (hashtags, @- and RT-Symbol, hyperlinks etc.) and (3) the visual level of storytelling (embedded photos, videos). Results show a new way of creating translocal online communities and political deliberation.

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AoIR – Selected Papers of Internet Research

Diskurssystem Twitter: Semiotische und handlungstheoretische Perspektiven

Caja Thimm, Mark Dang-Anh & Jessica Einspänner

Twitter kann durchaus Einfluss auf partizipative Prozesse und Kommunikationsstrukturen in einer parlamentarischen Demokratie zugesprochen werden. Zum einen ermöglicht die Funktion des Folgens der Twitterprofile der Bürgerschaft, im wortwörtlichen Sinne, die Politiker zu kontrollieren, indem sie ihnen und ihren Aktivitäten folgen. Was sie tun, mit wem sie Kontakt haben, was sie glauben, der Welt mitteilen zu müssen – all das wird dem Bürger per Tweet-Abonnement digital präsentiert. Zum anderen stellt Twitter in Form von Retweets, @-Kommunikation, Hashtags und Links spezifische Kommunikationsoperatoren bereit, mit denen sich vielfältige Bezugnahmehandlungen ausführen lassen und durch die sich Twitter von anderen Kommunikationsformen abhebt. Die Tatsache, dass diese Operatoren in einem hohen Maße von den Nutzern gebraucht werden, lässt vermuten, dass die User eben in diesen Kommunikationsoperatoren den Mehrwert von Twitter gegenüber anderen Kommunikationsformen erkennen und bewusst ausreizen.

Peter Lang Verlag

 

Politische Deliberation online – Twitter als Element des politischen Diskurses

Caja Thimm, Jessica Einspänner & Mark Dang-Anh

Die These, dass das Internet die Strukturen von Kommunikation verändert, ist ein zentrales Paradigma der Debatte um die Mediatisierung der Gesellschaft (Krotz 2007). Insbesondere der öffentliche Diskurs befindet sich in einem grundlegenden Wandel, da Öffentlichkeit nicht mehr allein von etablierten, professionellen Medienschaffenden, sondern zunehmend von institutionell nicht privilegierten Individuen gestaltet wird, die ihre eigene Umwelt zum Gegenstand des öffentlichen Diskurses machen. In der mediatisierten Gesellschaft wird Öffentlichkeit so ein gemeinsamer politischer (Ver-)Handlungsraum, in dem das Internet immer wichtiger für kollektiv bindende Entscheidungen wird. Konkret für die Politik ist es sogar wichtiger als andere Faktoren wie Parteiapparate, Interessengruppen, Experten oder internationale Beziehungen (Vowe 2006: 441).

Springer Link

 

Kontextualisierung durch Hashtags. Die Mediatisierung des politischen Sprachgebrauchs im Internet

Mark Dang-Anh, Jessica Einspänner & Caja Thimm

In politischen Diskursen auf Microblogs stehen einzelne Beiträge zunächst einmal für sich. Erst die Kontextualisierung einer Äußerung ermöglicht adäquate Schlussprozesse. Hashtags erfüllen hierbei eine wesentliche Funktion: In Twitter können sie als Kontextualisierungshinweise verwendet werden, um Wörter zu markieren und Zusammenhänge herzustellen. Hashtags bieten den NutzerInnen von Microblogs die Möglichkeit, Diskurse zu verfolgen, an ihnen teilzunehmen, sie zu gestalten, sie umzudeuten, neue Diskurse zu kreieren, aber auch sie zu ignorieren oder sie zu umgehen. In der politischen Twitterkommunikation erhalten Wörter durch Hashtags ein neues Gewicht: Diskurse werden über sie identifiziert und strukturiert und erst durch sie ist es möglich, thematische Kohärenz, Sequentialität, Intertextualität und damit Diskursivität zu erzeugen.
Die Beispiele aus der Twitterpraxis zeigen, dass die Veränderung der Akteurskonstellationen weitgehende Folgen für die öffentliche Kommunikation haben kann. Nicht nur die professionell Beteiligten wie JournalistInnen und PolitikerInnen, sondern auch interessierte BürgerInnen können an Diskursen teilnehmen und diese aktiv gestalten. Öffentliche Wörter, wie im beschriebenen Fall das Hashtag „#aufschrei“, machen den Diskurs zugänglich und sichtbar zugleich. Darüber hinaus symbolisieren sie das Diskursthema – hier: Alltagssexismus – und ermöglichen einen gesellschaftlichen Diskurs über massenmediale Themensetzungen hinaus. Interessanterweise nehmen Massenmedien diese Diskurse wiederum auf, so dass Twitter sowohl ein Medium ist, in dem Anschlusskommunikation zu diskutierten Themen einer massenmedialen Öffentlichkeit betrieben wird, als auch ein eigenständiges Diskursmedium, dessen Agenda seinerseits von den Traditionsmedien aufgriffen wird.

ibidem-Verlag

Mediatisierung und Medialität in Social Media: Das Diskurssystem „Twitter“

Mark Dang-Anh, Jessica Einspänner & Caja Thimm

Mediatization and Mediality in Social Media: the Discourse System Twitter
The article contributes to the debate about mediatization and the use of language in social media. The theoretical approach evolves from the intersection of linguistics, media and communication studies. While the concept of mediatization describes relations between medial and sociocultural change and the ubiquity of media in everyday life, the concept of mediality sheds light on the inseparability of media and language. From this interdisciplinary perspective, specific practices of media and language use within the microblogging service Twitter were analyzed. Examples from different case studies reveal certain user practices that can be described as formed by ‘moulding  forces’ of the medium Twitter without considering technology as determining or symptomatic.  Our analysis shows that the use of specific semiotic and functional operators (#, @, RT, http://)  establish user practices of creating personal and semantic references and thus constitute Twitter  as a multi-referential discourse system.

De Gruyter Verlag
https://doi.org/10.1515/9783110282184.68

Download (CC BY-NC-ND)

Zur Operativität von Schriftzeichen in digitalen Medien

Mark Dang-Anh

Medialität und Sozialität sind grundlegende Kategorien einer medienlinguistischen Perspektive auf Sprache und Kommunikation und bilden die Ausgangspunkte einer Auseinandersetzung mit der Operativität digitaler Schriftzeichen. Nach einer kurzen Einleitung wird im Artikel der Operativitätsbegriff erläutert und dieser dann anhand eines Postings im Microblog Twitter exemplifiziert.

Peter Lang Verlag

Medienpraktiken: Situieren, erforschen, reflektieren

Mark Dang-Anh, Simone Pfeifer, Clemens Reisner & Lisa Villioth

Navigationen – Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften, Heft 1/2017

Mit dem Fokus auf Medienpraktiken bündelt dieses Heft aktuelle Positionen zur empirischen Erforschung von Medien. Die Beiträge gehen davon aus, dass Medien erst durch ihren Gebrauch zu Medien werden. Medienpraktiken zu erforschen, bedeutet jedoch nicht nur herauszufinden, was Menschen mit Medien tun, sondern auch was Medien mit Menschen machen. Diese für die Medienpraktikenforschung zentrale Einsicht lösen die interdisziplinären Beiträge des Bandes ein,  indem sie aus den jeweiligen Positionen und Konstellationen verdeutlichen, wie Medien und Praktiken sich gegenseitig bedingen.

Medienpraktikenforschung erfordert erstens, medienpraktische Phänomene in einem hohen Detailgrad zu fassen, um die Relation der beteiligten menschlichen und medialen Akteure zueinander in situ und in actu nachzuvollziehen. Erst durch die analytische Durchdringung dieser situativen Vollzugsmomente lässt sich zweitens der Status von Medien klären: was durch Praktiken zu einem Medium wird und wie die Praktiken unter Berücksichtigung der an ihnen konstitutiv beteiligten Medien beschaffen sind. Dadurch lassen sich ebenso übersituative Bezüge zur Praxis herstellen, durch die die Praktiken zur situativen Entfaltung kommen. Drittens muss dabei berücksichtigt werden, inwiefern die eigenen Medienpraktiken der Erforschung in ihren jeweiligen situativen Stadien die (Analyse der) Medienpraktik zurichten.

Die Beiträge dieses Bandes lösen diese Forderungen in unterschiedlicher Gewichtung ein. Sie befassen sich aus medienethnologischer, kultursoziologischer, literaturwissenschaftlicher, historischer, soziologischer und medienwissenschaftlicher Perspektive damit, was jeweils als situierte Medienpraktik verstanden werden kann. Gemeinsam ist damit allen Beiträgen, dass sie erst aus ihren jeweiligen Untersuchungen und Perspektiven heraus bestimmen, was genau als Medienpraktik und Medien, die in ihnen zum Tragen kommen, gefasst werden kann.

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Zeitschrift „Navigationen“ im universi-Verlag

Inhalt

Mark Dang-Anh, Simone Pfeifer, Clemens Reisner und Lisa Villioth
Medienpraktiken: Situieren, erforschen, reflektieren.
Eine Einleitung (Download)

Anna Lisa Ramella
Medienpraktiken ›on the road‹
Social Media im Kontext von Musikmarketing

Simone Pfeifer
Medienpraktiken der Nähe und Distanz
Soziale Beziehungen und Facebook-Praktiken zwischen Berlin und Dakar

Christian Meyer und Christian Meier Zu Verl
Epistemische Regime der neuen Medien
Eine kultursoziologische Perspektive auf digitale Bildkommunikation

Raphaela Knipp
Literaturbezogene Praktiken
Überlegungen zu einer praxeologischen Rezeptionsforschung

Christoph Borbach
Experimentelle Praktiken
Apparative Radioexperimente in der Weimarer Republik

Andreas Henze
Tastatur und Talker, Hand und Stimme
Zum Verhältnis von Körper- und Gerätetechnik am Beispiel von Hilfsmitteln für Menschen mit spastischen Lähmungen

Erhard Schüttpelz und Christian Meyer
Ein Glossar zur Praxistheorie
»Siegener Version« (Frühjahr 2017)

Die interaktionale Konstitution einer synthetischen Protestsituation

Mark Dang-Anh

Im Beitrag „Die interaktionale Konstitution einer synthetischen Protestsituation“ wird der Situationsbegriff ausgehend von Bühler und Goffman sowohl sprach- und zeichentheoretisch als auch interaktionstheoretisch entfaltet. Dieser wird, unter Berücksichtigung weiterer medialer und empraktischer Aspekte, zu einem Begriff synthetischer Situationen (Knorr Cetina) erweitert. Die sich aus der Begriffsdiskussion ableitenden Kategorien zeitlicher, räumlicher und personaler indexikalischer Verweise werden im Anschluss analytisch auf eine Twitter-Interaktionssequenz in der Protestkommunikation angewendet. Hierbei zeigt sich, wie synthetische Protestsituationen interaktional konstituiert werden. Der Beitrag schließt mit dem Rückbezug der Mikroanalyse situierter Kommunikation auf die politische Praktik des Protestierens.

Zum Band auf der Verlagsseite

Digitale Diskurse. Neue Formen von Öffentlichkeit in Online-Medien

Interview mit Jessica Einspänner, Mark Dang-Anh & Tobias Bürger

Mit rund 200 Millionen Nutzerinnen und Nutzern und stetig wachsenden Zahlen gewinnt das Web 2.0 Angebot Twitter mehr und mehr an Bedeutung. Doch was ist das Besondere an dieser neuen Form der Online-Medien? Jessica Einspänner, Mark Dang-Anh und Tobias Bürger sind Mitarbeitende an der Universität Bonn im Forschungsprojekt „Deliberation im Netz: Formen und Funktionen des digitalen Diskurses am Beispiel des Microbloggingsystems Twitter“. Das Projekt ist Teil des DFGSchwerpunktprogramms „Mediatisierte Welten“, in dem insgesamt zwölf Projekte interdisziplinär miteinander zusammenarbeiten. Mit merz sprechen sie über Twitter als neue Form von Öffentlichkeit, die Userinnen und User, aber auch über die Möglichkeiten der Teilhabe und das Potenzial, das dieses Medium – gerade in der politischen Kommunikation – bietet.

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