Alle Artikel in der Kategorie “Allgemein

Protest als mediale Praxis: Straßenprotestkommunikation online und offline

Protestieren ist eine fundamentale politische und soziale Praxis moderner Gesellschaften. Für die Linguistik sind Proteste ein relevanter Gegenstand, weil sie sprachlich artikuliert, konstituiert und ausgehandelt werden. Dabei hat die Digitalisierung Proteste verändert: Protestieren kann sich mittlerweile auch online vollziehen und gesellschaftsrelevante Diskurse anstoßen.

Im Beitrag wird zunächst der praxistheoretische Ausgangspunkt skizziert und erörtert, wie Sprache, Medien und Praktiken / Praxis gemeinsam gedacht und begrifflich gefasst werden können. Daraus geht der Begriff der kommunikativen Medienpraktiken hervor, der sich sowohl auf digitale als auch nicht-digitale Phänomene beziehen lässt, wie an zwei exemplarischen Analysen verdeutlicht wird.

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Protest twittern. Eine medienlinguistische Untersuchung von Straßenprotesten

Wenn Menschen heute auf der Straße protestieren, sind immer auch digitale Medien im Spiel. Ob zur Mobilisierung oder Koordination, zur Vor- oder Nachbereitung: Proteste sind durch die sprachlichen Interaktionen und medialen Praktiken der Teilnehmenden bestimmt. Mark Dang-Anh widmet sich der situativen Protestkommunikation in digitalen Medien mit einem Fokus auf Interaktionen im Mikrobloggingdienst Twitter. Anhand zweier Falluntersuchungen von Protesten gegen rechte Aufmärsche analysiert er die vielschichtigen Relationen zwischen Sprache, Medien und der sozialen Praxis des Protestierens.

Die dem Buch zugrunde liegende Arbeit wurde 2018 als Dissertation an der Universität Siegen angenommen und 2019 mit dem »Preis der Universität Siegen für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, vergeben von der Dirlmeier-Stiftung«, ausgezeichnet. Die Publikation wurde durch das DFG-Graduiertenkolleg Locating Media und den Open-Access-Monografienfonds der Leibniz-Gemeinschaft gefördert.

Erschienen im transcript-Verlag im Open Access unter einer CC BY-SA 4.0-Lizenz.

Offen, unabhängig, interaktiv. Das Journal für Medienlinguistik stellt sich vor

Im Mai 2018 wurde das Journal für Medienlinguistik  Journal for Media Linguistics (jfml) mit einer Fachtagung am Institut für Deutsche Sprache in Mannheim eröffnet. Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Zeitschrift stellt ein Desiderat in der sprachwissenschaftlichen Forschungslandschaft dar. Denn bisher existiert weder im deutsch- noch im englischsprachigen Bereich ein Publikationsorgan, das medienlinguistische Forschungsdiskussionen bündelt.

Die Verbindung aus klassischer wissenschaftlicher Fachzeitschrift mit einem interaktiven Open-Peer-Review-Verfahren (umgesetzt unter dp.jfml.org) nutzt die Möglichkeiten des WWW auf eine innovative Art und ermöglicht so auch einen Anschluss an den populärwissenschaftlichen Diskurs. Das Journal kooperiert mit der Universitätsbibliothek der Goethe-Universität Frankfurt und dem Fachinformationsdienst Linguistik, die die Software OJS hostet. Das Institut für Deutsche Sprache hostet die Plattform, auf dem das Open Peer Review stattfindet. Über den Publikationsserver des IDS und die UB Frankfurt werden die nachhaltige und freie Verfügbarkeit der Zeitschrift garantiert.

In dem Artikel des SPRACHREPORT stellt sich das Journal für Medienlinguistik vor.

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Mehr Zivilgesellschaft durch Social Media? Medienethische Perspektiven auf Twitter als Diskursmedium

Caja Thimm, Mark Dang-Anh & Jessica Einspänner

Im Beitrag wird die Frage erörtert, inwiefern sich der Microblogging- Dienst Twitter als Diskursmedium der Zivilgesellschaft eignet. Die spezifischen Produktions-, Distributions- und Rezeptionsbedingungen von Social Media sowie die ihrem Netzwerkcharakter inhärenten neuartigen Konstitutionsoptionen für öffentliche Diskursräume erfordern eine Justierung der medienethischen Perspektive. Doch auch klassische ethische Theorien machen Microblogs greifbar: Die Prämissen der Diskursethik nach Habermas differenzieren sich auch im Handlungsbereich Twitter in prädiskursiven Geltungsansprüchen aus, die von Diskursteilnehmern implizit erhoben werden. Setzt man diese – und hier setzt die notwendige Modifikation des Blickwinkels ein – in Beziehung zu den spezifischen Funktionen des Mediums Twitter, treten komplexe kommunikative Optionen zu Tage. Prüft man die Geltungsansprüche der
Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Richtigkeit auf empirische Fallbeispiele in Twitter, lassen sich Brüche von medienethischer Relevanz feststellen, die nicht nur die zivilgesellschaftliche, sondern auch die journalistische Nutzung des Mediums in ein neues Licht rücken.

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Joint Digital Storytelling on Twitter: Creative Appropriation in Political Deliberation

Caja Thimm, Jessica Einspänner & Mark Dang-Anh

This paper explores on the basis of empirical research, how patterns of interaction and argumentation in political discourse on Twitter evolve as translocal communities in the creative shape of “joint digital storytelling”. Joint storytelling embraces coordinated activities by multiple actors focusing on a shared topic. By adding personal information and evaluation, participants construct an open narrative format, which can be inviting and inspiring for others, who then join in with their own narratives. This model will be exemplified by analyzing a large amount of tweets (107,000) collected during a political conflict between proponents and adversaries of a local traffic project in Germany. Analysis is based on (1) the textual level, (2) the operative level (hashtags, @- and RT-Symbol, hyperlinks etc.) and (3) the visual level of storytelling (embedded photos, videos). Results show a new way of creating translocal online communities and political deliberation.

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AoIR – Selected Papers of Internet Research

Diskurssystem Twitter: Semiotische und handlungstheoretische Perspektiven

Caja Thimm, Mark Dang-Anh & Jessica Einspänner

Twitter kann durchaus Einfluss auf partizipative Prozesse und Kommunikationsstrukturen in einer parlamentarischen Demokratie zugesprochen werden. Zum einen ermöglicht die Funktion des Folgens der Twitterprofile der Bürgerschaft, im wortwörtlichen Sinne, die Politiker zu kontrollieren, indem sie ihnen und ihren Aktivitäten folgen. Was sie tun, mit wem sie Kontakt haben, was sie glauben, der Welt mitteilen zu müssen – all das wird dem Bürger per Tweet-Abonnement digital präsentiert. Zum anderen stellt Twitter in Form von Retweets, @-Kommunikation, Hashtags und Links spezifische Kommunikationsoperatoren bereit, mit denen sich vielfältige Bezugnahmehandlungen ausführen lassen und durch die sich Twitter von anderen Kommunikationsformen abhebt. Die Tatsache, dass diese Operatoren in einem hohen Maße von den Nutzern gebraucht werden, lässt vermuten, dass die User eben in diesen Kommunikationsoperatoren den Mehrwert von Twitter gegenüber anderen Kommunikationsformen erkennen und bewusst ausreizen.

Peter Lang Verlag

 

Politische Deliberation online – Twitter als Element des politischen Diskurses

Caja Thimm, Jessica Einspänner & Mark Dang-Anh

Die These, dass das Internet die Strukturen von Kommunikation verändert, ist ein zentrales Paradigma der Debatte um die Mediatisierung der Gesellschaft (Krotz 2007). Insbesondere der öffentliche Diskurs befindet sich in einem grundlegenden Wandel, da Öffentlichkeit nicht mehr allein von etablierten, professionellen Medienschaffenden, sondern zunehmend von institutionell nicht privilegierten Individuen gestaltet wird, die ihre eigene Umwelt zum Gegenstand des öffentlichen Diskurses machen. In der mediatisierten Gesellschaft wird Öffentlichkeit so ein gemeinsamer politischer (Ver-)Handlungsraum, in dem das Internet immer wichtiger für kollektiv bindende Entscheidungen wird. Konkret für die Politik ist es sogar wichtiger als andere Faktoren wie Parteiapparate, Interessengruppen, Experten oder internationale Beziehungen (Vowe 2006: 441).

Springer Link

 

Kontextualisierung durch Hashtags. Die Mediatisierung des politischen Sprachgebrauchs im Internet

Mark Dang-Anh, Jessica Einspänner & Caja Thimm

In politischen Diskursen auf Microblogs stehen einzelne Beiträge zunächst einmal für sich. Erst die Kontextualisierung einer Äußerung ermöglicht adäquate Schlussprozesse. Hashtags erfüllen hierbei eine wesentliche Funktion: In Twitter können sie als Kontextualisierungshinweise verwendet werden, um Wörter zu markieren und Zusammenhänge herzustellen. Hashtags bieten den NutzerInnen von Microblogs die Möglichkeit, Diskurse zu verfolgen, an ihnen teilzunehmen, sie zu gestalten, sie umzudeuten, neue Diskurse zu kreieren, aber auch sie zu ignorieren oder sie zu umgehen. In der politischen Twitterkommunikation erhalten Wörter durch Hashtags ein neues Gewicht: Diskurse werden über sie identifiziert und strukturiert und erst durch sie ist es möglich, thematische Kohärenz, Sequentialität, Intertextualität und damit Diskursivität zu erzeugen.
Die Beispiele aus der Twitterpraxis zeigen, dass die Veränderung der Akteurskonstellationen weitgehende Folgen für die öffentliche Kommunikation haben kann. Nicht nur die professionell Beteiligten wie JournalistInnen und PolitikerInnen, sondern auch interessierte BürgerInnen können an Diskursen teilnehmen und diese aktiv gestalten. Öffentliche Wörter, wie im beschriebenen Fall das Hashtag „#aufschrei“, machen den Diskurs zugänglich und sichtbar zugleich. Darüber hinaus symbolisieren sie das Diskursthema – hier: Alltagssexismus – und ermöglichen einen gesellschaftlichen Diskurs über massenmediale Themensetzungen hinaus. Interessanterweise nehmen Massenmedien diese Diskurse wiederum auf, so dass Twitter sowohl ein Medium ist, in dem Anschlusskommunikation zu diskutierten Themen einer massenmedialen Öffentlichkeit betrieben wird, als auch ein eigenständiges Diskursmedium, dessen Agenda seinerseits von den Traditionsmedien aufgriffen wird.

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ibidem-Verlag

Mediatisierung und Medialität in Social Media: Das Diskurssystem „Twitter“

Mark Dang-Anh, Jessica Einspänner & Caja Thimm

Mediatization and Mediality in Social Media: the Discourse System Twitter
The article contributes to the debate about mediatization and the use of language in social media. The theoretical approach evolves from the intersection of linguistics, media and communication studies. While the concept of mediatization describes relations between medial and sociocultural change and the ubiquity of media in everyday life, the concept of mediality sheds light on the inseparability of media and language. From this interdisciplinary perspective, specific practices of media and language use within the microblogging service Twitter were analyzed. Examples from different case studies reveal certain user practices that can be described as formed by ‘moulding  forces’ of the medium Twitter without considering technology as determining or symptomatic.  Our analysis shows that the use of specific semiotic and functional operators (#, @, RT, http://)  establish user practices of creating personal and semantic references and thus constitute Twitter  as a multi-referential discourse system.

De Gruyter Verlag
https://doi.org/10.1515/9783110282184.68

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Zur Operativität von Schriftzeichen in digitalen Medien

Mark Dang-Anh

Medialität und Sozialität sind grundlegende Kategorien einer medienlinguistischen Perspektive auf Sprache und Kommunikation und bilden die Ausgangspunkte einer Auseinandersetzung mit der Operativität digitaler Schriftzeichen. Nach einer kurzen Einleitung wird im Artikel der Operativitätsbegriff erläutert und dieser dann anhand eines Postings im Microblog Twitter exemplifiziert.

Peter Lang Verlag