Alle Artikel in der Kategorie “Allgemein

Protest, Protestieren, Protestkommunikation

 

hrsg. von Mark Dang-Anh, Dorothee Meer, Eva L. Wyss

Reihe „Linguistik – Impulse und Tendenzen“, Band 97

Die Möglichkeit zu protestieren legitimiert demokratische Gesellschaften. In Protesten werden ihr konstitutiver sozialer und kultureller Pluralismus ausgehandelt und alternative politische Handlungsfelder eröffnet. Durch Sprache wird Protest nicht lediglich Ausdruck verliehen, vielmehr wird Protest durch den Gebrauch von Sprache und anderen Zeichen überhaupt erst hervorgebracht. In den Fokus der linguistischen Protestforschung rücken somit semiotische Praktiken der Protestkommunikation. Relevanz erhält das Protestieren durch seine Öffentlichkeit und Medialität. Dabei hat sich die Art und Weise, wie Menschen protestieren, mit der Zeit verändert. Zur Debatte steht demnach der Wandel des Verhältnisses von Protestkommunikation, Medien und Öffentlichkeit. Die Vielfalt historischer und medialer Protestpraktiken fordert ihre Erforschung heraus und diversifiziert das Feld der für die linguistische Protestforschung relevanten Daten und anzuwendenden Methoden. Der Band vereint daher Arbeiten der linguistischen Protestforschung, die sich empirisch fundiert mit Fragen der pragmatischen Relevanz sprachlicher und bildlicher Konstitutionsformen politischen Protests, deren Medialitäten und Modalitäten sowie deren Historizität auseinandersetzen.

Verlag

Situational involvement and footing shifts in mobile live video streams

Gesprächsforschung – Zeitschrift für verbale Interaktion 22, 304–336.

English abstract

Mobile live video streaming with smartphones is an everyday media practice in which the participants are in a specific multimodal constellation and streamers and viewers have access to various semiotic resources for interactionally establishing alignment. Based on the multimodal sequence analysis of a concise episode of a journalist’s livestream coverage of a political event on the streaming platform Periscope, I will address the question of how participation and involvement in live video streams are achieved and organised by the participants. I will show that hosts in the media practice of live video streaming act in an interaction-dominant manner and involve the viewers in the situation through asymmetrical participation coordination via footing shifts.

Key words: live video stream, media practices, mediated interaction, footing shifts, situational involvement, Periscope, media linguistics

German abstract

Mobiles Livevideostreaming mit Smartphones ist eine alltägliche Medienpraktik, bei der sich die Beteiligten in einer spezifischen multimodalen Konstellation zueinander befinden und in der Streamer*innen und Zuschauer*innen unterschiedliche semiotische Ressourcen zur interaktionalen Ausrichtung zur Verfügung stehen. Anhand der multimodalen Sequenzanalyse einer prägnanten Episode im Rahmen der Berichterstattung eines Journalisten von einem politischen Ereignis auf der Streamingplattform Periscope wird die Frage bearbeitet, wie Beteiligung und Involvement in Livevideostreams durch die Teilnehmenden hergestellt und organisiert werden. Es wird gezeigt, dass die Hosts bei der Medienpraktik des Livevideostreamings interaktionsdominierend agieren und die Zuschauerinnen durch asymmetrische Partizipationskoordination per Footing Shifts situativ in das Geschehen involvieren.

Keywords: Livevideostream, Medienpraktiken, Medieninteraktion, Footing Shifts, situatives Involvement, Periscope, Medienlinguistik

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issue

Semiotische Medientheorien

Zeitschrift für Semiotik, Heft 1-2/2019, Band 41, ersch. 2021

Herausgegeben von Georg Albert, Jörg Bücker, Mark Dang-Anh, Stefan Meier und Daniel Rellstab

Fragen danach, in welchem Verhältnis ‚Zeichen‘ und ‚Zeichensysteme‘ und ‚Medien‘ und ‚Kommunikation‘ zueinanderstehen, wie dieses Verhältnis analytisch zu unterscheiden und empirisch zu untersuchen ist, werden in philosophischen, mediensemiotischen, medienlinguistischen und medientheoretischen Diskursen schon lange diskutiert. Parallel dazu haben Disziplinen wie die Linguistik, die Psychologie, die Literatur-, die Medien- und die Kommunikationswissenschaft sowie die Interaktions- und Diskursforschung, die lange Zeit im Wesentlichen das Sprachliche in den Mittelpunkt stellten, ihren Fokus auf ‚Multimodalität‘ erweitert. Etablierte textlinguistische und semiotische Methoden werden zunehmend auf die Analyse multimodaler Phänomene übertragen und weiterentwickelt. Auch die Konjunktur praxeologischer Ansätze zeitigt neue Beschreibungsweisen und bisweilen scheint die Rede von multimodalen Praktiken begrifflich an die Stelle von ‚Schreiben‘, ‚Kommunizieren‘ usw. zu treten. Andererseits werden ‚Medienpraktiken‘ u.a. als zeichenhaft beschrieben, jedoch ohne expliziten Bezug auf multimodale Aspekte. Eine grundlegende Reflexion des Verhältnisses zwischen den Konzepten ‚Zeichen(system)‘, ‚Medium‘, ‚Kommunikation‘ und ‚(Multi-)Modalität‘ steht demnach noch aus. Diese Reflexion ist zunächst im Sinne begrifflicher Schärfungen angebracht, muss aber auch deshalb verstärkt erfolgen, um den Dialog der zahlreichen Disziplinen voranzubringen, die insbesondere an dem Querschnittsphänomen Multimodalität arbeiten.

Das vorliegende Themenheft bündelt theoretische, methodologische und empirische Debatten an der Schnittstelle von Zeichen, Zeichensystem, Zeichenmodalität/Materialität und Medium und möchte sie weiterführen. Die Beiträge befassen sich mit Fragen der begrifflichen und empirischen Grenzziehung zwischen Zeichen und Medien und liefern so Impulse für
die Erforschung des Wechselspiels der Gegenstandsbereiche Zeichenhaftigkeit, Medialität und Materialität als Manifestation multimodaler Kommunikation.

Stauffenburg Verlag

Zur kommunikativen Hervorbringung von Moral zur Zeit des Nationalsozialismus

Mark Dang-Anh & Stefan Scholl

Wird der Blick auf zurückliegende historische Phasen gerichtet, ist schnell ersichtlich, dass moralische Normen und Werte wandelbar sind. Dies gilt im Speziellen für die Zeit des Nationalsozialismus, dessen Anhänger*innen das Projekt einer moralischen Umerziehung auf völkisch-rassistischer Grundlage verfolgten. Eine diskurslinguistische, auf den Sprachgebrauch fokussierte Perspektive sieht sich der Aufgabe gegenüber, die sprachliche Konstitution von Norm- und Wertvorstellungen im historischen Kontext herauszuarbeiten. Dies ist gerade dann von Bedeutung, wenn seitens der diskursanalytisch orientierten Sprachwissenschaft der Versuch unternommen wird, selbst normative Maßstäbe an die untersuchten Gegenstände heranzutragen. Die historische Verortung kann hier dabei helfen, Wandelbarkeit, Geworden-Sein und Nicht-Selbstverständlichkeit des Moralischen zu reflektieren. Da Norm- und Wertvorstellungen einen großen Teil politischer und alltäglicher Kommunikation durchdringen, stellt ihre Analyse zugleich einen wichtigen Beitrag zum Verständnis historischer Dis-kurskonstellationen und hierhin aufzuweisenden Sprachgebrauchs dar.
Die Ausführungen im Beitrag sind als Versuch zu verstehen, unterschiedliche Wege zu einer solchen historischen Sprachgebrauchsanalyse am Beispiel der kommunikativen Hervorbringung von Moral zur Zeit des Nationalsozialismus aufzuzeigen. Die ethische Bewertung ist hierbei erst der zweite Schritt, denn zunächst geht es um die alltagssprachlich konstituierte Moral der Sprechenden (vgl. Bergmann/Luckmann 1999) und somit um die Analyse der Moralkommunikation im Nationalsozialismus. Moral kann, in Anlehnung an Warnkes Überlegungen zum Diskurs, als „historisch relative[s] Konstrukt[]“ (Warnke 2013: 102) aufgefasst werden. Erst wenn wir die sprachlich-kommunikative Hervorbringung von Normen und Angemessenheitsvorstellungen historisch kontextualisieren und ihrer moralkonstitutiven Wirkmächtigkeit sprachanalytisch Rechnung tragen, gelangen wir zu einem Fundament möglicher ethischer Urteile über die Moral der Sprechenden.

https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:mh39-102327

Hempen Verlag

Excluding Agency: Infrastructural and Interactional Practices of Exclusion in the National Socialist Dispositif of Field Post

Social and societal exclusion, which were constitutive for National Socialism, were accomplished not only in public media but also in field post letters. Writing letters was a fundamental everyday media practice and the field post was a central social medium during the Second World War. Applying the concepts of agency and dispositif to the field post, this paper analyses both infrastructural and interactive practices of exclusion. The article identifies different practices of excluding agency and shows how exclusion was carried out through discursive practices in private communication under the discourse conditions of National Socialism.

https://doi.org/10.5204/mcj.2725

Protest als mediale Praxis: Straßenprotestkommunikation online und offline

Protestieren ist eine fundamentale politische und soziale Praxis moderner Gesellschaften. Für die Linguistik sind Proteste ein relevanter Gegenstand, weil sie sprachlich artikuliert, konstituiert und ausgehandelt werden. Dabei hat die Digitalisierung Proteste verändert: Protestieren kann sich mittlerweile auch online vollziehen und gesellschaftsrelevante Diskurse anstoßen.

Im Beitrag wird zunächst der praxistheoretische Ausgangspunkt skizziert und erörtert, wie Sprache, Medien und Praktiken / Praxis gemeinsam gedacht und begrifflich gefasst werden können. Daraus geht der Begriff der kommunikativen Medienpraktiken hervor, der sich sowohl auf digitale als auch nicht-digitale Phänomene beziehen lässt, wie an zwei exemplarischen Analysen verdeutlicht wird.

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Protest twittern. Eine medienlinguistische Untersuchung von Straßenprotesten

Wenn Menschen heute auf der Straße protestieren, sind immer auch digitale Medien im Spiel. Ob zur Mobilisierung oder Koordination, zur Vor- oder Nachbereitung: Proteste sind durch die sprachlichen Interaktionen und medialen Praktiken der Teilnehmenden bestimmt. Mark Dang-Anh widmet sich der situativen Protestkommunikation in digitalen Medien mit einem Fokus auf Interaktionen im Mikrobloggingdienst Twitter. Anhand zweier Falluntersuchungen von Protesten gegen rechte Aufmärsche analysiert er die vielschichtigen Relationen zwischen Sprache, Medien und der sozialen Praxis des Protestierens.

Die dem Buch zugrunde liegende Arbeit wurde 2018 als Dissertation an der Universität Siegen angenommen und 2019 mit dem »Preis der Universität Siegen für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, vergeben von der Dirlmeier-Stiftung«, ausgezeichnet. Die Publikation wurde durch das DFG-Graduiertenkolleg Locating Media und den Open-Access-Monografienfonds der Leibniz-Gemeinschaft gefördert.

Erschienen im transcript-Verlag im Open Access unter einer CC BY-SA 4.0-Lizenz.

Rezension von Dinah Leschzyk in der Zeitschrift für Angewandte Linguistik (ZfAL)

Offen, unabhängig, interaktiv. Das Journal für Medienlinguistik stellt sich vor

Im Mai 2018 wurde das Journal für Medienlinguistik  Journal for Media Linguistics (jfml) mit einer Fachtagung am Institut für Deutsche Sprache in Mannheim eröffnet. Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Zeitschrift stellt ein Desiderat in der sprachwissenschaftlichen Forschungslandschaft dar. Denn bisher existiert weder im deutsch- noch im englischsprachigen Bereich ein Publikationsorgan, das medienlinguistische Forschungsdiskussionen bündelt.

Die Verbindung aus klassischer wissenschaftlicher Fachzeitschrift mit einem interaktiven Open-Peer-Review-Verfahren (umgesetzt unter dp.jfml.org) nutzt die Möglichkeiten des WWW auf eine innovative Art und ermöglicht so auch einen Anschluss an den populärwissenschaftlichen Diskurs. Das Journal kooperiert mit der Universitätsbibliothek der Goethe-Universität Frankfurt und dem Fachinformationsdienst Linguistik, die die Software OJS hostet. Das Institut für Deutsche Sprache hostet die Plattform, auf dem das Open Peer Review stattfindet. Über den Publikationsserver des IDS und die UB Frankfurt werden die nachhaltige und freie Verfügbarkeit der Zeitschrift garantiert.

In dem Artikel des SPRACHREPORT stellt sich das Journal für Medienlinguistik vor.

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Mehr Zivilgesellschaft durch Social Media? Medienethische Perspektiven auf Twitter als Diskursmedium

Caja Thimm, Mark Dang-Anh & Jessica Einspänner

Im Beitrag wird die Frage erörtert, inwiefern sich der Microblogging- Dienst Twitter als Diskursmedium der Zivilgesellschaft eignet. Die spezifischen Produktions-, Distributions- und Rezeptionsbedingungen von Social Media sowie die ihrem Netzwerkcharakter inhärenten neuartigen Konstitutionsoptionen für öffentliche Diskursräume erfordern eine Justierung der medienethischen Perspektive. Doch auch klassische ethische Theorien machen Microblogs greifbar: Die Prämissen der Diskursethik nach Habermas differenzieren sich auch im Handlungsbereich Twitter in prädiskursiven Geltungsansprüchen aus, die von Diskursteilnehmern implizit erhoben werden. Setzt man diese – und hier setzt die notwendige Modifikation des Blickwinkels ein – in Beziehung zu den spezifischen Funktionen des Mediums Twitter, treten komplexe kommunikative Optionen zu Tage. Prüft man die Geltungsansprüche der
Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Richtigkeit auf empirische Fallbeispiele in Twitter, lassen sich Brüche von medienethischer Relevanz feststellen, die nicht nur die zivilgesellschaftliche, sondern auch die journalistische Nutzung des Mediums in ein neues Licht rücken.

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Joint Digital Storytelling on Twitter: Creative Appropriation in Political Deliberation

Caja Thimm, Jessica Einspänner & Mark Dang-Anh

This paper explores on the basis of empirical research, how patterns of interaction and argumentation in political discourse on Twitter evolve as translocal communities in the creative shape of “joint digital storytelling”. Joint storytelling embraces coordinated activities by multiple actors focusing on a shared topic. By adding personal information and evaluation, participants construct an open narrative format, which can be inviting and inspiring for others, who then join in with their own narratives. This model will be exemplified by analyzing a large amount of tweets (107,000) collected during a political conflict between proponents and adversaries of a local traffic project in Germany. Analysis is based on (1) the textual level, (2) the operative level (hashtags, @- and RT-Symbol, hyperlinks etc.) and (3) the visual level of storytelling (embedded photos, videos). Results show a new way of creating translocal online communities and political deliberation.

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AoIR – Selected Papers of Internet Research