Digital discourse analysis of language use under National Socialism: methodological reflections and applications

Mark Dang-Anh & Stefan Scholl (2022)

This chapter explores possibilities and methods for conducting digital discourse analyses of National Socialist source texts. Digital technology is seen as a heuristic tool that can be used to examine language use during National Socialism in the context of larger source corpora. In a theoretical section, a basic plea is made for combining hermeneutic understanding of meaning with broad corpus-based queries during the analysis process. This approach is illustrated by two empirical examples: Using a corpus of Hitler and Goebbels speeches, the emergence and discursive shaping of the National Socialist concept of „Lebensraum“ is traced. Step by step, it is revealed which analytical paths can be followed by querying key texts, keywords, concordances and collocations. The second example shows how such sources can be manually annotated with the help of a digital tool on the basis of submissions made by the population to state and party authorities in order to be able to evaluate them for patterns in language use.

Dieses Kapitel lotet Möglichkeiten und Methoden aus, digitale Diskursanalysen nationalsozialistischer Quellentexte durchzuführen. Digitale Technologie wird dabei als heuristisches Werkzeug betrachtet, mit dem der Sprachgebrauch während des Nationalsozialismus im Rahmen größerer Quellenkorpora untersucht werden kann. In einem theoretischen Abschnitt wird grundsätzlich dafür plädiert, während des Analyseprozesses hermeneutisches Sinnverstehen mit breitflächigen korpusbasierten Abfragen zu kombinieren. Verdeutlicht wird diese Herangehensweise an zwei empirischen Beispielen: Anhand eines Korpus von Hitler- und Goebbels-Reden wird dem Auftauchen und der diskursiven Ausgestaltung des nationalsozialistischen Konzepts „Lebensraum“ nachgespürt. Schritt für Schritt wird offengelegt, welche Analysewege durch das Abfragen von Schlüsseltexten, Keywords, Konkordanzen und Kollokationen verfolgt werden können. Das zweite Beispiel zeigt anhand von Eingaben, die aus der Bevölkerung an Staats- und Parteiinstanzen gerichtet wurden, wie solche Quellen mithilfe eines digitalen Tools manuell annotiert werden können, um sie danach auf Musterhaftigkeiten im Sprachgebrauch hin auswerten zu können.

https://doi.org/10.1515/9783110714692-007